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Arbeitskreis Suchtgefahren im Betrieb

Arbeitskreis Suchtgefahren im Betrieb am 17.03.2016, Ausbildungszentrum Handwerkskammer in der Barbarstraße

 „Cannabis – unterschiedliche Behandlungsangebote aus stationärer, ambulanter und digitaler Perspektive“

Zum zweiten Mal in 2016 traf sich der Arbeitskreis Suchtgefahren im Betrieb (AK SiB) am 17.03.16 im Ausbildungszentrum der HWK. Im Mittelpunkt stand die nach Alkohol populärste Substanz und „illegale Droge Nr. 1“, so Herr Rüdiger Merx, Funktionsoberarzt der LWL-Klinik und Chefarzt der Fachklinik Ostberge.

Die Mitglieder hatten mit der Veranstaltung im Ausbildungszentrum Gelegenheit drei unterschiedlichen Fachleuten aus Dortmund zuzuhören und sich mit ihnen auszutauschen, welchen Stellenwert Cannabis bei jüngeren Menschen und Erwachsenen hat und welche Behandlungsangebote es gibt.

Im AK SiB sind Betriebliche Ansprechpartner für Suchtfragen, Sozialarbeiter aus Beratungsstellen und Fachkrankenhäusern, Mitarbeiter von Krankenkassen und Betriebsärzte, Gesundheitsbeauftragte sowie Selbsthilfe vertreten – betriebsinterne Fachleute sowohl im Haupt- als auch Nebenamt.

Und auch in Betrieben wird konsumiert, da kennt die Verbreitung von Cannabis (wie bei anderen Suchtstoffen eben auch) keine Grenzen. Aber auch wenn das sogenannte „Kiffen“ eher im privaten Sektor verbreitet ist, können sich Nebenwirkungen oder Folgen des Konsums auf die Arbeitssituation ungünstig auswirken: Leistung, Konzentration sind vor allem Bereiche, in denen sich dann negative Beeinträchtigungen nieder schlagen.

Den Einstieg ins Thema übernahm Herr Merx, der von Patienten berichtete, die mit 13 Jahren in den Konsum von Cannabis eingestiegen sind, und die im schlechtesten Fall nach regelmäßigem Cannabisgebrauch eine Abhängigkeit entwickelt hätten: „ Der überwiegende Teil der Konsumenten schafft es die Kontrolle zu behalten, ein kleiner Teil verliert sie. Für diesen Personenkreis verfügen wir über Angebote im stationären Bereich.“ Für die Mitglieder des AK SiB war es nicht unwichtig zu erfahren, dass ca. 90% der Patienten noch berufstätig bzw. in der Schule sind. Zentrales Problem des Cannabis-Entzuges sei die Schlafstörung: „Einige können einfach nicht schlafen, fühlen sich entsprechend zermartert und laufen Gefahr, die Behandlung abzubrechen“, so der erfahrene Mediziner. Hier helfe eine gezielte Verordnung von entsprechenden Medikamenten und auch ein probates Mittel in jeglicher (Sucht)-behandlung: nämlich „Bewegung, Bewegung und noch einmal Bewegung“, ergänzte Frau Kraft-Malycha, Betriebsärztin der Berufsgenossenschaft.

Bei bestehender Abhängigkeit sei eine 14-tägige Entgiftung in einem Fachkrankenhaus ein lohnenswerter Versuch, die Abhängigkeit zu bekämpfen: „Die Patienten haben somit Gelegenheit, heraus zu finden, wie es ohne Cannabiskonsum geht und was sie vielleicht noch weiter benötigen, um stabil zu bleiben“, so Merx. Mitunter können die Patienten nüchtern „Langeweile“ nur schlecht ertragen, deshalb sei es ein weiteres Ziel, sie während des Entzuges zu fordern und zu fördern.“

Die LWL-Klinik stellt mit „Haus 13“ ein stationäres Angebot seit Jahren zur Verfügung: https://www.lwl.org/LWL/Gesundheit/psychiatrieverbund/K/lwl_klinik_dortmund/leistung/suchtmed

Bernd Nordlohne von der DROBS Dortmund stellte im weiteren Verlauf ein ganz anderes Angebot vor, das sich seit Jahren etabliert hat und in Dortmund seit 2009 neben zwei weiteren Standorten in NRW vorgehalten wird: Quit the Shit, ein onlinebasiertes Tagebuch über 50 Tage, das größtmögliche Anonymität sichert.

Ziel ist pauschal die Veränderung des Cannabis-Konsums. Drei unterschiedliche Ziele können angesteuert werden, die Teilnehmer entscheiden sich nach einem Aufnahmechat, ob sie reduzieren, eine Pause einlegen oder ganz aufhören wollen. Darüber hinaus ist QtS in nahezu allen Bundesländern zugänglich; von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln, in Auftrag gegeben und von Delphi in Berlin entwickelt. Zugang zu dieser besonderen Form zeitgenössischer Beratung erfolgt über das sehr informative Portal www.drugcom.de .

Hierüber werden Klienten erreicht, die sonst keine Beratungsstelle (vorerst) aufsuchen würden. Außerdem spricht diese Form auch bemerkenswert viele Frauen an. Über 80% der erreichten Personen über QtS hatten vorher keinen Kontakt zur Sucht- und Drogenhilfe.

„Das Programm bietet den Nutzern viele Optionen, den eigenen Konsum zu reflektieren“, sagt Bernd Nordlohne. „Abstinenz ist dabei kein Muss, kann aber im Einzelfall die beste Lösung sein.“

Übungen, die eigene Vorstellungen auf dem Bildschirm visualisieren, sind für die Nutzer verfügbar und unterstützen den Beratungsprozess: der „Entscheidungskompass“ etwa ermöglicht es, der eigenen Ambivalenz auf die Schliche zu kommen. Hierbei kann der Teilnehmer das Für und Wider hinsichtlich des Konsums durch Eingabe abwägen und erhält ein Bild davon, in welche Richtung es für ihn gehen soll – entweder pro oder contra Veränderung.

Das personalisierte Gegenstück zu QtS ist das Beratungsprogramm „Realize it“, ebenfalls von Delphi entwickelt. Björn Sailler, DROBS Dortmund, ist dafür zuständig und erläuterte den Betrieblichen Ansprechpartnern, wie diese Form ambulanter Beratung abläuft.

„Der große Vorteil von Realize it ist, dass einen Anfang und ein Ende gibt,“ führt der Suchttherapeut dazu aus. „Das macht es für interessierte Klienten überschaubar und attraktiv.“

Fünf Termine, die 14-tägig erfolgen, bedeuten nach zehn Wochen das Ende des Programms – man muss sich also nicht längere Zeit an eine Beratungsstelle „binden“. Realize it verfügt über ähnliche Reflektionshilfen und Übungen wie QtS, nur sitzt man hier tatsächlich einem Berater gegenüber. Ein Handbuch, in dem die Klienten dokumentieren können, wie der Entzug von Cannabis sich für sie darstellt und mit welchen Strategien sie diese Herausforderung bewältigen, ist ein „Werkzeug“ des Programms.

„Realize ist nicht für jeden geeignet, aber für diejenigen, die es nutzen können, ein hilfreiches Angebot, um den Cannabiskonsum in den Griff zu bekommen“, so Sailler.

Beide Programme – QtS und Realize it – wurden in NRW auch durch die Landesförderung ermöglicht.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Teilnehmer an diesem Nachmittag lauteten: „Ich hätte gar nicht gedacht, wie stark Cannabis wirkt.“

„Mir war nicht klar, wie viele Angebote es inzwischen gibt.“ Und: „Da zeigt sich doch mal wieder, wie wichtig Netzwerke (vor Ort) sind.“

Hilfreiche Homepage zu Nachweiszeiten:

www.drugscouts.de 

Anbieter vor Ort:

www.drobs-dortmund.de

www.suchtvorbeugung-dortmund.de

Prävention:

www.ginko-stiftung.de

www.stark-statt-breit.de

 

 

 

Frank Schlaak(frank.schlaak@suchtvorbeugung-dortmund.de)Gravatar: Frank SchlaakPermalinkTrackback-Link
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Jahresprogramm 2018

FEEDBACK hält für 2018 ein Jahresprogramm vor. Es enthält Methodenschulungen, Vorträge sowie Informationen über die regulären Angebote der Fachstelle für Jugendberatung und Suchtvorbeugung Dortmund. Bei Fragen oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte direkt an die Mitarbeiter von FEEDBACK (per Tel. 0231 700 99 29 – 0 oder per E-Mail an info@feedback-dortmund.de).

Hier können Sie das Jahresprogramm 2018 direkt herunterladen:

Jahresprogramm_2018.pdf

Wir freuen uns bereits auf Ihre Anmeldung!

Der TÜV NORD zu Besuch bei FEEDBACK

 

Der TÜV NORD zu Besuch bei FEEDBACK

Heute waren Jugendliche der berufsvorbereitenden Maßnahmen des TÜV NORD bei uns zu Besuch. Die insgesamt 15 Jugendlichen nahmen an einer Suchtpräventiven Veranstaltung teil. Während der 3 ½ Stunden tauschten sich die Teilnehmenden über Wirkungsweisen von Substanzen, den Suchtverlauf aber auch über rechtliche Konsequenzen aus. Ebenfalls füllte jede Person ein Konsumdiagramm aus. Die Gruppe beteiligte sich aktiv an den einzelnen Übungen und war mit Spaß aber auch kritischen Rückfragen bei der Sache.

Wir freuen uns auf den geplanten Folgetermin, um spezifischer über einzelne Substanzen und dessen Risiken reden zu können.

Bis bald!

 

Was machst Du mit Alkohol? - Und Alkohol mit Dir?

Der ALK-Parcours ermöglicht Jugendliche eine interaktive Auseinandersetzung zum Themenbereich Alkoholkonsum. Er ist ein fester Bestandteil der Aktivitäten zum Thema Alkohol der NRW-Landeskampagne „Sucht hat immer eine Geschichte“.

Ziel des ALK-Parcours ist es, bei den Heranwachsenden eine reflektierende Einstellung zum Alkoholkonsum zu fördern, damit sie einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol entwickeln.

Dass die Beschäftigung mit dieser Thematik auch ohne erhobenen Zeigefinger funktioniert, erfahren die Schülerinnen und Schüler beim Durchlaufen des ALK-Parcours.

Informationen zu Inhalt, Ablauf, Buchung können Sie dem Flyer entnehmen. Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Bericht aus dem Treffpunkt "Frauen und Sucht"

Am 27. März  2012 referierte die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Frau Bindhu Markil aus der LWL Klinik in Dortmund, zum Thema „Folgen und Risiken von Medikamentenkonsum“. Neben aktuellem Zahlenmaterial und Statistiken ging es vor allem darum, Wirkungsweisen von Schmerzmitteln, Schlafmitteln und psychotropen Medikamenten, deren Einsatzmöglichkeiten und Folgeerscheinungen zu charakterisieren.
Eine lebhafte Diskussion gab es zu der Frage „Ab wann ist der Medikamentenkonsum riskant?“ Gerade im Hinblick auf Hintergründe, Diagnosen und Verbreitung von riskantem Medikamentenkonsum wurde deutlich, dass weit mehr Frauen als Männer betroffen sind und der riskante Einsatz von Medikamenten oft erst sehr spät für das Umfeld deutlich wird. Im Vergleich zu bspw. Alkohol können psychisch wirksame Medikamente viel länger die „Funktionsfähigkeit“ im Alltag gewährleisten, ohne dass es zu Auffälligkeiten kommt.
Weitere Informationen finden Sie in der PowerPoint Präsentation von Frau Markil.

Wie können Kinder und Jugendliche Medienkompetenz entwickeln?

Unter dem Motto “spielen, zappen, klicken- Digitale Medien als Unterrichtsthema", veranstaltete die Fachstelle für Suchtvorbeugung zwei Methodenworkshops für Multiplikatoren/innen aus den Bereichen Grund- und weiterführende Schulen und Jugendhilfe. Außerdem erfolgte für  Lehrende einer Dortmunder Gesamtschule eine Medienkompetenzfortbildung zur  Vorbereitung auf eine Projektwoche zum Thema Cybermobbing.

Bei allen Veranstaltungen wurde unter anderen die von der Fachstelle zusammengestellte Materialsammlung „M-Box“ zum Thema Neue Medien präsentiert. Sie enthält umfangreiches Info-Material, Link-Tipps, Filme und Unterrichtseinheiten rund um die Nutzung von Handy, Internet, Spielen und Chat. Einige Methoden konnten die Teilnehmenden exemplarisch gemeinsam ausprobieren. So wurden Medienkonsumprofile erstellt, ein Führerschein für das Internet erprobt und Begleitmaterial zu Filmen bearbeitet.

Das Thema Mediennutzung bei Jugendlichen, wurde auch der Veranstaltungen der Fachstelle im Fokus stehen. Neben dem am 02. März 2012 stattfindenden Fachtag Generation „Gefällt mir “ zur Förderung der Medienkompetenz werden weitere Fortbildungen zu diesem Thema folgen. Genauere Hinweise und Termine werden Sie auf unserer Homepage erfahren.

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